Was ist die "Feldenkrais-Methode"?

Körperarbeit oder Lernmethode?

"Lernen ist üben, ohne zu wiederholen."
(Mosche Feldenkrais)

Moshe Feldenkrais entwickelte ein System, das uns zeigt, wie wir lernen und wie wir unsere körperlichen und geistigen Fähigkeiten erweitern können. Der Ort, an dem dieses Lernen stattfindet, sind der Körper und seine Bewegungen. In diesem elementaren Bereich können wir viel über uns selbst erfahren und auch über Möglichkeiten der Veränderung und Verbesserung unserer Lebensqualität. Diese Arbeit beinhaltet gleichzeitig eine wunderbar sanfte und angenehme Art und Weise, mit sich selbst umzugehen. Man fühlt sich wohl, körperliche Beschwerden werden gelindert oder verschwinden ganz.

Was tun? Was lernen?

Die meisten Menschen meinen, sich gut zu kennen und haben ein mehr oder weniger genaues Bild von ihrem Liegen, Gehen, Stehen oder auch ihren Beschwerden. Diese Kenntnis gilt es zu vertiefen, denn nur wenn wir wirklich genau wissen was wir tun, können wir entscheiden, was wir verändern möchten.

Was ist das Besondere an dieser Art des "Bewegungslernens"?

Bei Feldenkrais heißt Lernen Ausprobieren statt Üben: Bewegungen sind nicht in eine feste Form gepresst, ebensowenig gibt es ein stures Nachmachen oder ein Bemühen um ein bestimmtes Ideal. Es gibt keinen Leistungsdruck, und jeder Mensch kann sich in seinem eigenen Tempo und mit seinen eigenen Fähigkeiten bewegen.

Außerdem bietet sich immer die Möglichkeit, Bewegungen auf verschiedene Weise auszuführen. Unter diesen Bedingungen erfährt man eine große Freiheit im Handeln und im Denken und eine Zunahme des Selbstvertrauens. Bewegungen sind in der Feldenkrais-Methode immer eingebettet in die Gesamtfunktion des Körpers. Man lernt die Verbindungen kennen, z. B. den Rücken im Zusammenhang mit anderen Körperbereichen wahrzunehmen oder zu erforschen, was hat eine Kniebewegung mit der Flexibilität von Hüftgelenken oder Rippen zu tun? Im Sinne eines optimalen Bewegens ist stets der ganze Körper gemeint.

Wie können wir Störungen im Gesamtzusammenhang des Körpers (z. B. Rückenschmerzen) verändern?

Wenn wir Schmerzen im Rücken haben, können wir uns die Flexibilität unseres Körpers und die Vielfalt seiner Bewegungen nur sehr schwer vorstellen. In einer Feldenkrais-Stunde wird besonders darauf Wert gelegt, den gesamten Organismus zu aktivieren und den Rücken lediglich als ein Teil der Gesamtbewegung zu begreifen. Der Einsatz des ganzen Körpers hilft dem Rücken, sich leichter zu bewegen.

Wie ist der Verlauf einer Feldenkrais-Stunde?

Einleitung:

Die Stunde beginnt meist damit, wahrzunehmen, wie der Körper auf dem Boden liegt, wie bequem oder symmetrisch sich das anfühlt. Ziel dieser stillen und ruhigen Wahrnehmung ist einerseits, dass man still und ruhig wird, andererseits die Vielfalt der Wahrnehmungen erlebt. Man erfährt z. B. wo man sich locker fühlt und wo verspannt, was sich selbstverständlich anfühlt und was unklar ist. Das Bild von sich selbst wird immer deutlicher und bewusster.

Ein kleines Beispiel eines Bewegungsauftrages:

Zunächst legt man sich auf eine Seite und bewegt den oberen Arm von vorn nach hinten. Währenddessen hat man genügend Zeit zu beobachten, was alles im Körper geschieht, was sich leicht anfühlt und was schwer. Legt man sich danach wieder auf den Rücken, kann man erleben, wie sich das Körperbild verändert hat. Und wenn am Anfang die Schmerzen im Vordergrund standen, werden erfahrungsgemäß das Bild und die Empfindung von sich selbst jetzt schon vielfältiger sein.

"Das Fühlen wird klarer, die Bewegungen, das Tun erreichen neue Grenzen und das Denken wird weiter."
(Mosche Feldenkrais)

Wenn man danach die andere Seite, sprich den anderen Arm ausprobiert, wird man kleine Unterschiede wahrnehmen, es wird hier vielleicht leichter oder schwerer sein. Verblüfft stellt man dann beim wiederholten Bewegen des ersten Armes fest, dass sich dieser besser und leichter bewegen lässt als zuvor. Um das Ergebnis noch weiter zu verbessern, könnten beispielsweise im weiteren Verlauf der Stunde andere Bereiche des Körpers mit in den Bewegungsauftrag einbezogen werden. Kann die Mitbewegung der Halswirbelsäule und der Augen das Gewicht des Armes leichter erscheinen lassen? Was ist die Funktion des Beckens in diesem Zusammenhang, wie helfen die Beine? Für diese Verbindungen gibt es viele verständliche "Bewegungsaufträge", die die Zusammenhänge klären helfen.

Im Stehen und beim langsamen Umhergehen wird einem bewusst, wie die Bewegung der Arme das Laufen beeinflusst und umgekehrt.

Ziel der Feldenkrais- Methode:

Das Bewegungspotential wird erweitert. Alte und ineffektive Bewegungsmuster können aufgegeben und durch neue, bessere und komplexere ersetzt werden. "Wie lerne ich Fahrrad fahren? -Vom Fahrrad mit Stützen über das Rennrad zum Einrad auf dem Seil!"