Moshe Feldenkrais

(1904 - 1984)


Moshe Feldenkrais stammte aus einer chassidisch-jüdischen Familie und wanderte als Jugendlicher allein von Russland nach Palästina aus. Dort machte er sein Abitur und begann mit dem Studium der Ingenieurwissenschaften und Physik. Er beschäftigte sich intensiv mit Selbstverteidigungstechniken, da es den jüdischen Siedlern - im Gegensatz zu den arabischen - nicht erlaubt war, Waffen zu tragen.

1928 ging er nach Frankreich, um sein Studium fortzusetzen. Nach wie vor interessierte er sich für Kampfsportarten, trainierte neben seinem Studium Judo, erwarb als erster Europäer einen schwarzen Gürtel und gründete die erste Judoschule in Frankreich.

Sein Interesse an Bewegung, seine umfangreichen wissenschaftlichen Kenntnisse der physikalischen Gesetzmäßigkeiten von Schwerkraft und Mechanik bildeten den Hintergrund für seine Forschungen auf dem Gebiet der Neurophysiologie und Psychologie.

Eine alte Knieverletzung, die ihm immer wieder zu schaffen machte, war der Auslöser, sich mit Bewegungsfunktionen in Verbindung mit Verhaltensgewohnheiten und deren Veränderung zu beschäftigen.

Bis zur Invasion der Deutschen in Frankreich arbeitete er in dem berühmten "Institut du Radium" von Irene und Frederic Joliot-Curie. Sie waren 1938 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden; Feldenkrais war an den ersten Experimenten zur Kernspaltung beteiligt. Mit Hilfe der französischen Exilregierung ging Feldenkrais nach England, im Gepäck wichtige Unterlagen von Joliot-Curie.

Im Zweiten Weltkrieg arbeitete er für die englische Unterwasserabwehr. Gleichzeitig setzte er seine Bewegungsstudien fort und begann andere Wissenschaftler, die mit ihm in einem Camp interniert waren, sowohl theoretisch als auch praktisch dafür zu interessieren. Aus den Vorträgen, die er in dieser Zeit hielt, entstand das 1949 erschienene Buch "Body and Mature Behavior. A Study of Anxiety, Sex, Gravitation and Learning".

Nach dem Krieg blieb er zunächst in England, wo es zu wichtigen Kontakten mit anderen Forschern auf den Gebieten der menschlichen Bewegung, der Psychologie und Pädagogik (F. M. Alexander, G. Morgan, H. Jacoby) kam . Heinrich Jacoby war ein bedeutender Pädagoge aus der Schweiz, der in seinen Publikationen und Kursen die Fähigkeit des Menschen zur Selbsterziehung beschrieb und förderte. "Jenseits von 'Begabt' und 'Unbegabt'" heißt eines seiner Werke. Jacoby arbeitete eng mit Elsa Gindler zusammen, die auch heute noch als herausragende Pionierin auf dem Gebiet der Körperarbeit gilt. So kam auf indirekte Weise auch Feldenkrais mit ihrem Werk in Kontakt. Gindler hatte viele Schülerinnen, die jede auf ihre Weise die Arbeit fortsetzten. Meine Lehrerin Frieda Goralewski war eine davon.

1951 folgte Feldenkrais einer Berufung zum Leiter der Elektronikabteilung der israelischen Streitkräfte in Haifa. Auch hier setzte er seine Forschungen fort und entwickelte seine Methode weiter, die er später "Bewußtheit durch Bewegung" nannte. Er behandelte Patienten und stellte seine Arbeit auf Kongressen und in Publikationen vor. Zu seinen bekanntesten Schülern gehörten Yehudi Menuhin, Peter Brook, Narciso Yepes, Ben Gurion und Moshe Dayan.

"Ein gesunder Mensch ist der, der seine verborgenen Träume voll ausleben kann."
(Mosche Feldenkrais)

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er in den siebziger Jahren bekannt, als in Amerika und in der Schweiz viele Menschen jeglichen Alters in seine Kurse strömten und er dann begann, auch Assistenten und potentielle Nachfolger auszubilden.

Wissenschaftler, besonders aus den Gebieten der Anthropologie, Erkenntnistheorie, Psychologie und Gehirnforschung standen mit ihm im Austausch.